Der gemeinnützige Sektor ist nicht nur von enormer wirtschaftlicher Relevanz, sondern auch von gesellschaftlicher. Ohne die wichtige Arbeit von Vereinen, Verbänden und Stiftungen würde es uns allen wesentlich schlechter gehen. Deswegen sind die Ergebnisse des Digital Report 2020 alarmierend – Non-Profits verschenken immer noch sehr viel Potential durch fehlende Digitalisierung. Denn digital agierende NPOs haben einen deutlich besseren Zugang zu Ressourcen – seien es Spenden, Mitglieder oder Ehrenamtliche – und damit auch mehr Möglichkeiten, Gutes in der Welt zu tun.

Zusammenhang Fähigkeiten – Digitaler Reifegrad – Zugang zu Ressourcen (c)Digital Report 2020 – Haus des Stiftens

Der Status quo: Digitalisierung beschränkt sich größtenteils auf Websites

Der Digital Report 2020 – durchgeführt vom Haus des Stiftens – untersuchte 5000 deutsche Non-Profits zu den Themen technische Ausstattung, IT-Kosten, IT-Investitionen, digitale Kompetenzen und Strategien. Dabei zeigte sich deutlich, dass vor allem das Potential junger Technologien wie Virtual Reality (VR) oder künstlicher Intelligenz (KI) noch nicht wahrgenommen wird. Auch die nötigen personellen und finanziellen Ressourcen sind kaum vorhanden. Im Grunde endet die Digitalisierung des gemeinnützigen Sektors derzeit noch bei der eigenen Website, auch wenn der Großteil der Organisationen sich nun schon an Bereiche wie Cloud-Lösungen oder CRMs heran wagt:

        • 96% betreiben eine eigene Website, aber nur:
          • 24% bieten dort auch ein Online-Spendenformular an  
          • 21% nutzen Analyse-Tools zur Auswertung und Verbesserung der Website
          • 74% nutzen Lösungen für die Mitglieder- und Spenderverwaltung (CRM)
          • 61% verwenden Cloud-Lösungen, hauptsächlich für 
            • das Teilen von Dokumenten
            • E-Mail-Dienste oder 
            • Datensicherung
          • 14% nutzen Crowdfunding-Tools
          • 11% haben eine Fundraising-Software
          • 6% sehen in Virtual Reality sehr großes Potential für Non-Profits
          • 5% sehen in künstlicher Intelligenz sehr großes Potential für Non-Profits
Technologische Ausstattung von Non-Profits (c)Digital Report 2020 – Haus des Stiftens
Einschätzung des Potentials von Schlüsseltechnologien im gemeinnützigen Sektor (c)Digital Report 2020 – Haus des Stiftens

Die Herausforderungen: Was hält Non-Profits von der Digitalisierung ab?

Der Report hat natürlich auch erhoben, wo die größten Herausforderungen in den Augen der Non-Profits liegen. Hier liegt im Moment die DSGVO ganz vorne: Ihre Einhaltung scheint v. a. in Kombination mit neuen Technologien zu Verunsicherung zu führen. 

Außerdem geben zwei Drittel der Non-Profits an, nicht genügend Ressourcen für die Anwendung neuer Tools zu haben. Das ist ein Teufelskreis: Denn digitalisierte Non-Profits haben besseren Zugang zu Ressourcen, die sie wiederum in weitere Digitalisierung investieren können. Deswegen braucht es dringend Starthilfen und Förderprogramme, um dem Sektor hier unter die Arme zu greifen (das Land Hessen macht es vor: Förderprogramm „Ehrenamt digitalisiert!). 

Die wenigen vorhandenen finanziellen Mittel werden v. a. in Hard- und Software investiert. Nachhaltige Ausgaben, die auch eine vollumfänglich sinnvolle Nutzung der Technologien gewährleisten, wie z. B. Schulungen für Mitarbeiter, tätigen nur 14%. Ohne relevantes Wissen ist es nicht verwunderlich, dass sich nur 14% der Vereine, Verbände und Stiftungen für die Herausforderungen der Digitalisierung gut gerüstet sehen. 

Nur 19% der Organisationen haben hauptamtliche Mitarbeiter für den IT-Bereich, 18% verlassen sich auf externe Dienstleister. Ganze 40% sind jedoch auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Das zeigt deutlich, welch niedrigen Stellenwert IT in Non-Profits immer noch hat. 

Personal: Verantwortliche für die Digitalisierung in Non-Profits (c)Digital Report 2020 – Haus des Stiftens

 

Ein weiteres Problem bei der Digitalisierung des Sektors betrifft das Verständnis und die Bewertung des Themas. Denn 86% sehen in der Digitalisierung hauptsächlich eine Arbeitserleichterung, z. B. durch die Automatisierung von Routine-Aufgaben oder die leichtere Auffindbarkeit von spezifischen Daten. Nur 47% haben verstanden, dass sie durch Digitalisierung ihre Ressourcen und damit ihre gesellschaftliche Wirkung steigern können. 

Vorbildliche Beispiele: So lässt sich Technologie optimal einsetzen

Spender sind nicht nur Spender, sondern auch ganz normale Menschen. Sie nutzen neue Technologien für alles mögliche: Sprachassistenten erinnern an die Müllabfuhrtermine, Shopping findet zunehmend im Internet statt und auch VR-Brillen erobern immer mehr die Wohnzimmer Deutschlands. Darum wundert es auch nicht, dass immer mehr Non-Profits auf digitales Fundraising setzen: Die Spender kennen das bereits aus anderen Lebensbereichen und schätzen die einfache und schnelle Möglichkeit zu helfen. Ein Spendenformular auf der Website ist heutzutage eigentlich ein Must-have und auch Peer2Peer-Fundraising in Sozialen Netzwerken oder QR-Code-Spenden bergen ungeheures Potential.

Beispiel für eine QR-Code-Kampagne mittels Stickern – So generieren Sie Online-Spenden auch offline

Neue Technologien bieten unzählige Möglichkeiten – hier ist Kreativität und Vorstellungsvermögen gefragt. Einige Social Startups und NPOs mit hohem digitalem Reifegrad machen es bereits vor und liefern beeindruckende Beispiele. So setzt zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen Virtual Reality ein, um die Ärzte besser auf ihren Auslandsaufenthalt vorzubereiten. Andere verwenden die Technologie, um im Face to Face-Fundraising die Dramatik einer Flucht erlebbar zu machen oder die Bedrohung von Naturparadiesen zu veranschaulichen. 

Beispiel 1:
UNICEF Neuseeland bringt Menschen auf der Straße beim Face to Face-Fundraising durch VR in ein syrisches Flüchtlingslager:

Beispiel 2:
SOS Kinderdorf bietet seinen Unterstützern eine VR-Reise in eines Ihrer Kinderdörfer:

Sogar Rettungseinsätze werden bereits mit VR geprobt. Andernorts wird künstliche Intelligenz eingesetzt, um das Bienensterben zu bekämpfen oder große Datenmengen für das Fundraising zu analysieren. 

Um neue Technologien entsprechend einsetzen zu können, braucht es also das nötige Wissen, finanzielle Ressourcen und eine kreative Idee. Dann können sich Non-Profits über steigende Spendeneinnahmen, höhere Bekanntheit und generell mehr Engagement freuen.

Es ist nie zu spät für den ersten Schritt

Um das volle Potential der Digitalisierung nicht nur der Wirtschaft, sondern auch gemeinnützigen Organisationen und damit der gesamten Gesellschaft zugute kommen zu lassen, sind also aktive Anstrengungen dahingehend gefragt. Gute Fundraiser wissen: Erst muss in Fundraising investiert werden, dann kommen die Spenden. So verhält es sich auch in der Digitalisierung: Erst die Investition, dann der Mehrwert. 

Auf eines ist jedenfalls Verlass: Die Welt wird nicht aufhören, sich zu digitalisieren. Höchste Zeit für Non-Profits, nachzuziehen!

Wenn Sie mehr zu diesem Thema erfahren möchten, können Sie sich hier den vollständigen Digital Report 2020 herunterladen. Das Haus des Stiftens hat auch ein SelfService-Portal zu Verfügung gestellt, wo Sie sich detaillierte Analysen selbst erstellen und in hübschen Grafiken anzeigen lassen können. 

Sie möchten wissen, wie digital Ihre eigene Non-Profit ist? Hier können Sie einen Digital-Schnellcheck machen und sich mit anderen Organisationen vergleichen.

 

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