Wir sind, was wir geben. FundraisingBox im Interview mit Philipp Rosenthal

1238

Wir kennen viele Studien, viele Verallgemeinerungen, viele einfache Antworten auf komplizierte Fragen oder einfache Fragen auf komplizierte Antworten. Worum geht es uns eigentlich, wenn wir über Digital Fundraising sprechen? Verändert sich unsere Gesellschaft zum Schlechteren oder Besseren? Gibt es sowas wie schlechter oder besser in diesem Zusammenhang? Wollen wir uns in Zielgruppen, von denen viele gehört haben – Baby Boomer, Gen X, Y oder Z – definieren? Spiegeln wir uns in diesen wirklich wieder? Können wir nicht von Einzelfällen und Schicksalsschlägen des Einzelnen viel mehr für uns und unsere Unternehmung lernen?

Wir geben mit “Wir sind, was wir geben.” unseren Kunden und Interessierten für’s Fundraising einen Einblick über Spender* und Fundraiserinnen* in der heutigen Zeit. Erhaltet mit uns einen einzigartigen Einblick in das, was uns alle bereits umgibt. Optimalerweise erhalten wir dadurch einen Blick in die Zukunft für das, was wir geben möchten, wollen und können.

Mit gesundem Menschenverstand können wir an Lösungen arbeiten, die uns allen helfen. Nicht nur aus Einzelfällen, sondern basierend auf Erlebnissen und Erfahrungsschätzen der einzelnen Menschen, um zu verstehen und zu lernen. Danke, dass Ihr euch die Zeit nehmt. #WirSindWasWirGeben

Philipp Rosenthal ist ein moderner Coach. Genauer gesagt, ist er ein Digital Sherpa. Mehr zu seinem beruflichen Wirken erfahrt Ihr auf seiner Website, Digital Sherpa. Wie es in unserer Gesellschaft, nicht nur in Deutschland, mittlerweile gang und gäbe ist, hat er bereits viele berufliche Stationen hinter sich. Nicht jedem von uns ist eine lineare berufliche Entwicklung möglich, ob gewollt oder ungewollt. Das bringt Veränderung mit sich.

Wir durften mit Philipp sprechen, um herauszufinden, wie sein Spendenverhalten ist, denn dieses Jahr hat er eine eigene Spendenaktion gestartet. Zu seiner eigenen Spendenaktion erfahrt ihr später mehr im Interview, welches von Dominik geführt wurde.

Philipp Rosenthal im Interview mit FundraisingBox. #WirSindWasWirGeben

Wir könnten natürlich beginnen mit “stell Dich doch vor Philipp”, doch machen wir es mal anders. Wo findet man Dich überall im Netz?
Erstmal natürlich über meine Website und auch auf der einen oder anderen Plattform, die ich öffentlich nutze wie zum Beispiel Twitter oder LinkedIn.

Hast Du schon mal gespendet?
Ja.

Kannst Du Dich an Deine erste Spende erinnern?
An die erste Spende direkt nicht. Dafür aber an die erste getätigte Spende, die mich emotional berührt hat. Meiner Frau und mir wurde einfach bewusst, dass wir mehr Glück im Leben gehabt haben, als viele andere Menschen. Daher kam der Entschluss, mindestens einmal im Jahr dieses Glück über eine Spende zu teilen. Das ist deswegen emotional, weil es mit tiefer Dankbarkeit für die eigene Situation in Verbindung steht.

Spendest Du dann regelmäßig an eine Non-Profit Organisation?
Es ist immer eine persönliche Spende. Sprich, es kann eine Institution sein, der wir Vertrauen schenken, dass sie diese auch tatsächlich in unserem Sinne verwendet. Es muss aber nicht zwangsläufig eine Einrichtung sein, an die wir spenden. Unsere Spende kann auch direkt an Freunde oder Bekannte, bzw. deren Initiativen gehen. Dann kommt unsere Unterstützung dort an, wo sie unmittelbar gebraucht wird und wir den spezifischen Bedarf direkt kennen.

Erreicht man Dich über einen Spendenbrief?
Du meinst über einen Brief im Briefkasten? Nein, eher nicht. Wir sind viel unterwegs und die meiste Kommunikation mit und von uns ist digital. Natürlich freut man sich über eine unerwartete Postkarte, aber ein klassischer Spendenbrief ist mit Sicherheit nicht die richtige Lösung, um mich als neuen Spender zu erreichen. Grundsätzlich würde ich sagen, dass man mich mittels klassischer Medien generell eher schlechter ansprechen kann. Das liegt wohl daran, dass digitale Medien in meinem Alltag tief integriert sind. Informationen und Nachrichten beziehe ich über digitale Plattformen, Blogs und Podcasts. Medieninhalte kommen bei mir eher von Netflix, iTunes und Amazon …, an meine letzte „konventionelle“ Fernseherfahrung kann ich mich nicht mal erinnern.

Somit sind Dir Online-Spendenformulare nicht fremd?
Mit Spendenformular meinst Du ein Online-Formular (lacht)? Nein, die sind mir nicht fremd. Natürlich nutze ich auch Spendenformulare und empfinde diese Möglichkeit, dem Spender das Leben so leicht wie möglich zu machen, als Pflicht. Menschen sind diesen Komfort bereits aus dem Onlinehandel gewöhnt. Ohne diese Kanäle wird man die online-affine Zielgruppe nicht erreichen können.

Kannst Du mir eine Non-Profit Organisation nennen, bei der Dir eine Kampagne in Erinnerung geblieben ist? (Wir haben das Interview spontan geführt (lacht))
Ehrlich? Leider nein. Das soll natürlich nicht heißen, dass es keine großartigen Kampagnen da draußen gibt, die Menschen zum Spenden aktivieren sollen. Nur ad-hoc habe ich keine parat.

Recherchierst Du, bevor Du spendest?
Ja, aber nur online. (zwinkern)

Ist es für Dich wichtig, dass eine gemeinnützige Organisation verschiedene Zahlungsoptionen anbietet?
Sagen wir’s mal so: es ist schon wichtig, dass meine bevorzugte Zahlungsart angeboten wird. Jeder Spender hat allerdings seine eigenen Bezahl-Präferenzen. Darum sollten sicher verschiedene, zwingend aber die aktuell gängigsten Zahlungsoptionen zur Auswahl stehen.

Welche würdest Du als essentiell ansehen?
Für mich sind die Kreditkarte und natürlich PayPal das Minimum.

Dadurch, dass Du schon online gespendet hast, was ist Dir noch persönlich wichtig?
Wenig Hürden. Man sollte die Nerven des Spenders – und damit die Bereitschaft zum Spenden – nicht mit überflüssigen Funktionen überzustrapazieren. Das heißt auch, dass nur das Notwendigste beim Ausfüllen des Formulars abgefragt werden sollte. Denn man will ja nicht von der Spende ablenken. “Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden” muss man nicht abfragen, auch wenn ich weiß, dass dies gute Indikatoren für die eigene Marketingarbeit sind.

Quasi sowas wie spenden mit nur einem Klick?
Wenn möglich, ja.

Unterhältst Du Dich mit Freunden über Spenden?
Nein, das ist was Persönliches. Eine Profilierung ist mir nicht wichtig und deswegen schätze ich sehr, dass Du mich vor dem Interview darauf aufmerksam gemacht hast, dass es Dir, respektive Euch, nicht um die Höhe von Spendensummen geht. Ihr wollt etwas ganz Anderes aufzeigen. Ich würde mich freuen, wenn das auch so von Euren Lesern verstanden wird.

Dadurch, dass wir auch persönlich auf anderen Plattformen vernetzt sind, habe ich Anfang des Jahres gesehen, dass Du selbst eine Spendenaktion gestartet hast. Erzähl (uns) bitte etwas darüber.
Ja, das ist richtig. Es gab dieses Jahr in der DACH Region im Winter einen sehr ergiebigen Schneefall. Verschiedene Medien haben über Schneechaos berichtet und viele Menschen waren durch die Schneemassen betroffen. Daraus entstand mein erster Versuch, mittels Crowdfunding, eine Spendenaktion zu starten.

Du hast Deiner Aktion einen besonderen Namen gegeben, willst Du noch mehr darauf eingehen?
Nur in aller Kürze. Durch den heftigen Schneefall ist eine Lawine abgegangen und hat ein Hotel erfasst. In diesem waren wir früher schon mal zu Gast und nicht nur die Inhaber, sondern auch alle Angestellten, gaben uns und den anderen Gästen das Gefühl, einfach die Seele baumeln lassen zu können. Die Nachricht, dass eine Lawine das Hotel erfasst hat, hat mich emotional berührt und ich wollte helfen. Das meinte ich auch zu Beginn unseres Interviews: Es ist für mich sehr wichtig, dass ich emotional angesprochen werde.

„Mitunter kann es sein, dass ich zu mir sage, es ist wieder an der Zeit.“

Wie hast Du denn auf Deine Spendenaktion aufmerksam gemacht?
Nachdem ich die Spendenkampagne online gestellt hatte, habe ich meine Familie, Freunde und Geschäftspartner über LinkedIn, Facebook, Twitter und XING wissen lassen, dass ich mich freuen würde, wenn etwas Geld zusammenkommt. Natürlich gab ich somit auch eine Empfehlung ab, ein paar Tage im entsprechenden Hotel zu verbringen.

Abschließende Frage in Zeiten der Automatisierung und Digitalisierung: Kann man Dich, als Generation X, zum regelmäßigen Spenden (Dauerspenden) als Spender überzeugen? Randnotiz: Manche sprechen von (Marketing) Automation of everything und sehen in Zielgruppen die Lösung -wenn es nur so leicht wäre …
Für mich persönlich nicht. Ich brauche den emotionalen Trigger, den Bezug zum Empfänger der Spende. Ob das eine Eigenschaft der Gen X ist, weiß ich nicht. Sicher ist es eine Möglichkeit die „bequemen“ Spender abzuholen, denen eher die Aktivität des Spendens als der Bezug wichtig ist. Das meine ich aber nicht despektierlich. Wenn es jemandem wichtig ist, regelmäßig das persönliche Glück zu teilen, ohne ständig darüber nachdenken zu müssen, warum nicht?

DANKE Philipp, dass Du uns einen Einblick zu Deinem eigenen Spendenverhalten, gegeben hast. Selbstverständlich auch für Deine Zeit, die kostbar ist. Deswegen weiß ich es umso mehr zu schätzen und möchte mich im Namen unseres gesamten Wikando Teams für die interessanten Einblicke und vor allem Dein Engagement bedanken. Wir sind, was wir geben.

Wir alle sehen, dass sich nicht nur unser Spendenverhalten mit unter durch oder mit Digital Fundraising verändert. Wenn sich nur eine kleine Info aus unseren geführten Interviews für Euer und unser tägliches Tun, ob geschäftlich oder privat, nutzen lässt oder, wenn man sich selbst in manchen Punkten wiederfindet, dann haben wir unser Ziel schon längst erreicht. Und, wenn es nur ein Schmunzeln auf euren Lippen ist. #WirSindWasWirGeben

Ihr habt einen Vorschlag mit wem wir sprechen sollten, kontaktiert uns mit dem Hashtag #WirSindWasWirGeben über unser Kontaktformular oder solltet ihr auf Facebook aktiv sein, dann hinterlasst uns gerne einen Kommentar auf unserer FundraisingBox Fan Page, wir freuen uns auf Eure Vorschläge.

* Wir könnten natürlich Spender*Innen und Fundraiser ebenfalls mit *Innen schreiben. Wir haben uns bewusst für keine weitere Markierung entschieden, was aber nicht bedeutet, dass eine Ausgrenzung stattfindet. Denn es geht nicht nur um eine Markierung, sondern darum, wie wir uns diesem Thema im gemeinsamen Alltag stellen. Es gehört mehr dazu, als nur aus Political Correctness Motivation zu handeln. Diejenigen, die mit Markierungen arbeiten, haben genauso einen Beweggrund, wie diejenigen, die dies nicht oder nur partiell umsetzen. Wir respektieren die Gender-Debatte. Lasst uns respektvoll miteinander umgehen, um in naher Zukunft eine allgemeingültige Form, ohne Fingerzeig, in unser Gesellschaft zu etablieren und zwar nicht nur für die geschriebenen Worte. Bei Fragen stehen wir Euch (m/w/d) sehr gerne zur Verfügung.