Fundraiser*innen waren 2020 besonders gefordert. Die Pandemie machte nicht nur die Projektarbeit von Non-Profits komplizierter, sondern verlangte auch nach neuen Fundraising Ideen. Oft schon traditionelle Events wie Benefizläufe, Benefizkonzerte und ähnliches konnten nicht stattfinden. Umso spannender ist nun die Rückschau auf ein Jahr, dass viele innovative Kampagnen hervorbrachte und der Digitalisierung der Non-Profit-Branche Aufwind verlieh.

Wir haben uns einerseits den2020 Global Trends in Giving Report” und andererseits den The Impact of Covid-19 on Nonprofits in Europe-Report genauer angesehen und die wichtigsten Aussagen daraus zusammengefasst. Die in diesem Artikel verwendeten Zahlen stammen aus beiden Reports und sind für ersteren mit (T) und für zweiteren mit (I) gekennzeichnet.

Kleine Vorwarnung: Hier folgen jetzt ziemlich viele Zahlen 😉 

 

Die Datenlage

Der “2020 Global Trends in Giving Report” hat insgesamt 2.445 Spendende aus 35 Kreisdiagramm Aufteilung der Spender*innen nach Geschlechteuropäischen Ländern zu deren Spendenverhalten befragt. Davon waren 66% Frauen, 33% Männer und 1% Non-Binary. 

Nach der Generationen-Einteilung haben vorwiegend Millenials (39%) und Gen X (35%) teilgenommen, gefolgt von Baby Boomern (22%), Matures und Gen Z (jeweils 2%). 

Kreisdiagramm Aufteilung Spendende nach Generationen

 

 

 

 

“The Impact of Covid-19 on Nonprofits in Europe” hat sich das Thema hingegen aus der Non-Profit-Perspektive angesehen. Insgesamt haben 797 Menschen aus der Branche teilgenommen, die sich den Bereichen Fundraising, Kommunikation, Marketing, Policy, CEO oder Vorstand zuordnen. Sie arbeiten sowohl in großen Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitenden (20%), als auch in ganz kleinen mit bis zu 10 Mitarbeitenden (38%). 

 

Die Ergebnisse: Das waren die Fundraising Trends 2020

 

Beliebtestes Kommunikationsmittel

Eine gute Kommunikation ist das Um und Auf von erfolgreichem Fundraising. Doch welche Tools sind dafür am besten geeignet? 2020 hat gezeigt, dass mittlerweile für viele Spendende Online-Kanäle die wichtigste Informationsquelle sind. Social Media wurde dabei von den Spendenden am häufigsten als das inspirierendste Kommunikationstool genannt (34% T). Dieser Kanal wurde von 75% (I) der befragten Organisationen verwendet.

Doch auch E-Mails kommen gut an. 42% (T) der Spendenden möchten am liebsten einmal pro Monat von Non-Profits per E-Mail informiert werden. Das korreliert mit der Wahl des Kommunikationsmittels der Organisationen: 84% (I) haben 2020 auf regelmäßige E-Mails gesetzt. 

Auf Platz 3 der Kanäle, die 2020 am meisten von Non-Profits verwendet wurden, liegen die Websites der Non-Profits. Erst danach kommt das Telefon mit 48% (I) und andere Kommunikationsmittel wie Post-Mailings (37% I), Werbeeinschaltungen (16%) und SMS (14%).

Wenig überraschend, aber trotzdem ganz klar: Einer der Fundraising Trends 2020 war ohne Zweifel die Online-Kommunikation.

 

Beliebteste Zahlungsarten

Online-Kommunikation führt zu Online-Spenden. Doch welche Zahlungsart haben die Spendenden in Europa am liebsten verwendet?

  1. Kreditkarte (43% T)
  2. Lastschrift (20% T)
  3. Paypal (11% T)
  4. Mobile Money (3% T)
  5. Digital Wallets (1% T)

Abseits der Online-Kanäle haben immerhin noch 9% (T) per SMS gespendet, 10% (T) gaben Ihren Beitrag in bar. Auf Post-Mailings haben nur 3% (T) gespendet.

Diese Zahlen weichen ein wenig von unseren Erfahrungen ab. Unsere Kund*innen aus dem DACH-Raum nehmen die meisten Spenden per Paypal ein, gefolgt von Lastschrift. Hier gibt es vermutlich starke länderspezifische Unterschiede. Genau darum ist es so wichtig, möglichst viele verschiedene Zahlungsarten im Spendenformular anzubieten. (Weitere wichtige Tipps für ein gut konvertierendes Spendenformular gibt es in diesem Blogbeitrag.)

Logos der gängigsten E-Payment Methoden
Die Auswahl an E-Payment-Methoden ist groß und wächst immer weiter.

 

Beliebteste Spenden-Themen

Jetzt wissen wir, über welche Kanäle erfolgreich kommuniziert und über welche Zahlungsweisen gespendet wurde – aber für was genau wurde denn am liebsten gespendet?

  1. Kinder (15% T)
  2. Gesundheit (13% T)
  3. Hunger und Obdachlosigkeit (8% T)
  4. Entwicklungszusammenarbeit (8% T)

 

Dass Kinder auf Platz 1 der beliebtesten Spenden-Themen gelandet sind, ist wenig überraschend. Kinder nehmen eben einen ganz besonderen Platz in unseren Herzen ein. Ihre Unschuld und Abhängigkeit veranlasst viele dazu, zu helfen. Eine kleine Überraschung ist für uns, dass Tiere es nicht in die Top-Themen geschafft haben – denn auch das ist ein Thema, das prinzipiell stark emotionalisiert.

 

Beliebteste Online-Spenden-Kanäle

Ganz klar: 2020 musste vieles online passieren, was in normalen Zeiten vielleicht auch ohne das Internet geklappt hätte. Das Positive daran sind aber die vielen innovativen Ideen und Ansätze, die spendensammelnde Organisationen im letzten Jahr umsetzen konnten. 34% (I) der befragten Non-Profits gaben an, einen für sie völlig neuen Fundraising-Kanal genutzt zu haben. Im Europa-Vergleich setzten besonders deutsche Non-Profits vermehrt auf Online-Fundraising: 82% (I). In Italien waren es beispielsweise nur 53% (I). Entsprechend hat sich natürlich auch das Online-Spendenvolumen erhöht: 47% (I) der Organisationen sahen einen Anstieg bei den Online-Spenden. Das traf vor allem für Non-Profits in Italien, Deutschland und Frankreich zu (I).

Die erste Anlaufstelle für Online-Spenden ist natürlich das eigene Spendenformular auf der Website. Doch es gibt noch viele andere Möglichkeiten. Hier sind Soziale Medien wieder ganz vorne dabei. Während 2018 nur 16 % (T) über die Facebook Fundraising Tools gespendet haben, waren es 2020 schon 44% (T).

Online Shopping für den guten Zweck

Einkäufe wurden 2020 gezwungenermaßen häufig online getätigt. Auch hierbei eröffnete sich ein nicht zu unterschätzender Fundraising-Kanal. Satte 68% (T) haben ihr Online-Shopping mit dem guten Zweck verknüpft und das Angebot genutzt, dass der Shop einen Teil des gezahlten Preises an Non-Profits spendet. 

Auch Spendenaktionen und Crowdfunding sind tolle Möglichkeiten, wie die Zahlen zeigen: 57% (T) der Spendenden haben für Crowdfunding Kampagnen gespendet. Diese Fundraising-Möglichkeit war besonders bei spanischen (28% I) und italienischen (19% I) Organisationen beliebt. Immerhin 17% sind selbst aktiv geworden und haben eine eigene Spendenaktion gestartet – z.B. zu ihrem Geburtstag oder anderen Anlässen. 

Die Covid-19-Pandemie selbst war ebenfalls ein starker Anreiz. Wenn es an diesem schwierigen Jahr etwas wirklich Schönes hervorzuheben gilt, dann war das die große Solidarität, die sich in der Bevölkerung entwickelt hat. Das zeigten auch zahlreiche Kampagnen, die Covid-19 thematisierten: 60% (T) haben auf diese Kampagnen gespendet. 

Andere Online-Fundraising-Aktionen haben in Europa nicht besonders gut funktioniert. Im Vergleich zu den weltweiten Zahlen nahmen europäische Spender*innen kaum bei Online Auktionen, Raffles oder Gewinnspielen teil. Auch Spenden in Zusammenhang mit Gaming hat sich bei uns (noch) nicht durchgesetzt.

Der Giving Tuesday ist in Europa ebenfalls noch nicht so groß, wie er andernorts (z.B. in den USA) ist. 55% (T) der Spendenden gaben an, noch nie etwas von dem internationalen Spendentag gehört zu haben. Nur 6% (T) haben an diesem Tag gespendet. Hier gibt es aber trotzdem sehr viel Potential. Es liegt an den Non-Profits, den Giving Tuesday bekannt zu machen und für ihre Kampagnen zu nutzen.

 

Beliebteste Art zu spenden

Einmalig oder regelmäßig spenden – wie sehen hier die Zahlen aus dem Report aus? 

43% (T) spenden auf regelmäßiger Basis:

  • 72% (T) monatlich
  • 22% (T) jährlich
  • 5% (T) vierteljährlich
  • 1% (T) wöchentlich

Das ist eine sehr gute Zahl, denn immerhin ist die gesamte Spendensumme eines “Spender*innen-Lebens” durch eine Dauerspende in der Regel höher. Außerdem bedeutet das, dass 43% der Spendenden eine enge Beziehung zu mind. einer Organisation haben und ihr Ihr Vertrauen schenken. Monatliche Beiträge halten die finanzielle Belastung in Grenzen und helfen den Spender*innen, den Überblick zu bewahren.

Neue Fundraising-Technologien

Der “2020 Global Trends in Giving Report” befragte die Spender*innen auch zu neuen Technologien und bat um ihre Einschätzungen. Mit Abstand am erfolgreichsten wurden Mobile Apps bewertet, über die man spenden kann und dafür mit Badges und einlösbaren Punkten belohnt wird (48% T). Auch Spenden per Gesichtserkennung am Smartphone wurden mit 16% (T) als relevant und zukunftsträchtig bewertet. Immerhin 11% (T) konnten sich vorstellen, über Ihren Smart-TV zu spenden und 8% würden dafür zukünftig Sprachassistenten verwenden. 

Spenden per Sprachbefehl ist sicherlich ein Thema, mit dem wir uns in den nächsten Jahren noch ausführlich auseinandersetzen werden. Obwohl 2020 nur 1% der Spendenden auf diese Art gespendet haben, sagen immerhin 8%, dass sie sich das zukünftig vorstellen können. Diese Zahl wird voraussichtlich auch noch steigen, sobald mehr Menschen sich mit dieser Technologie vertraut gemacht haben.

 

Die größten Herausforderungen und wichtigsten Learnings 2020

Der “The Impact of Covid-19 on Nonprofits in Europe-Report fragte Non-Profits auch nach den größten Herausforderungen des Jahres. Ganz vorne stand das Fundraising: 62% (I) hatten es schwer, ausreichend Spenden einzunehmen. Auch das Erreichen und Mobilisieren von Spender*innen zählte zu den schwierigsten Aufgaben 2020 (46% I). Ganze 41% (I) sahen es außerdem als riesige Herausforderung an, ihre digitalen Skills zu verbessern und 35% (I) hatten Schwierigkeiten dabei, ihr Team im Homeoffice zu managen. (Wir haben unsere langjährige Erfahrung mit Homeoffice niedergeschrieben – hier findest Du bestimmt den ein oder anderen guten Tipp: Blogthema Homeoffice und New Work.)

Digitale Kanäle werden auch in Zukunft zu den wichtigsten Fundraising-Möglichkeiten zählen und sogar noch wichtiger werden. 62% (I) der Non-Profits geben an, zukünftig noch mehr Fokus auf Digital Fundraising zu legen. 

Es braucht also in Zukunft umso mehr praktikable Lösungen für Digital Fundraising. Non-Profits sollten dringend nicht nur in neue Tools und eine webbasierte Infrastruktur investieren, sondern auch ihr Digital Know-How ausbauen. In Technologie liegen unzählige Möglichkeiten – auch für das Fundraising!

 

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Quellen:

https://efa-net.eu/wp-content/uploads/2020/12/Nonprofit_Pulse_Summary_Report_2020.pdf (I)

https://www.funraise.org/giving-report (T)

 

 

 

 

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Karin ist unsere Content-Spezialistin. Hier kann sie ihre langjährige Erfahrung im Non-Profit-Bereich optimal für unsere Kunden einsetzen und tun, was sie liebt: Schreiben! Mit großer Leidenschaft setzt sie sich dafür ein, Non-Profits den Weg zur Digitalisierung zu vereinfachen: "Durch Digital Fundraising können gemeinnützige Organisationen ihre Ziele noch schneller erreichen und so eine bessere Welt für uns alle schaffen. Gibt es etwas Schöneres, als an dieser Vision mitzuarbeiten?"

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